Kind Of

A New International Project - Chapter Three
Premiere: April, 2018

Following: Yes, Stand out of My Sun - Chapter One, and Three Dog Night - Chapter Two

Ein dreisprachiges Projekt das sich mit Sprache als Mittlerin von Kulturen beschäftigt, sich aber auch mit Manipulationen bei Vermittlung und Verwendung von Sprache und deren Einsatz bei der Erziehung zu Gehorsam auseinandersetzt.

Das Projekt widmet sich jenen Schülern die von sprachlicher Kommunikation ausgeschlossen blieben. Entweder aufgrund mangelndem Verständnis fremder Sprachen, oder weil sie es nicht schafften ihre Gefühle in Worte zu fassen, oder sich gar vor den hohen Worten selbst fürchteten.

Die Schüler werden erwachsen, dann sind sie es, welche die gewaltvolle Realität in ihren Ländern bestimmen.

Die Vorstellung findet im metaphorischen Raum eines Klassenzimmers bzw. Pausenhofes statt.

Eine Lehrerin erzählt den Schülern eine gruselige Geschichte.

Am Ende der Geschichte fragt einer der Schüler: „Ist das eine Geschichte?“

„Kind of“, antwortet die Lehrerin.

Zehn Jahre später erzählt die Lehrerin den Schülern abermals eine gruselige Geschichte, am Ende ihrer Erzählung fragt einer der Schüler: „Ist das eine Geschichte?“

„Kind of“, antwortet die Lehrerin.

Zwanzig Jahre darauf, ruft die Lehrerin einen Teil der Schüler an, um ihnen vom Mord an einem ihrer Lehrer durch rechtsextreme Schläger zu berichten. „Ist das eine Geschichte“, fragt einer der Schüler?

„Kind of“, antwortet die Lehrerin.

 

Dieses neue Projekt, welches als dritter Teil einer Trilogie definiert ist und den Arbeiten „Geh mir aus der Sonne“ und „Drei Hunde Nacht“ folgt, begründet das theatrale Ereignis in der Verwendung von unterschiedlichen Schreibstilen.

Im Zentrum steht die Figur der Erzählerin, eine Frau reifen Alters, die von ihrer Kindheit im Schatten eines Bildungssystems berichtet, welches von der Erziehung zu nationalen und religiösen Werten sowie größter Intoleranz gegenüber Fremden und dem „Anderen“ geprägt war. Die Erzählerin, eine halb wahre und halb erfundene Figur, führt einen teils offenen teils versteckten Dialog mit verschiedenen, sich mit dem Wesen der Sprache beschäftigenden, Theoretikern (Noam Chomsky, Heinrich Böll und anderen), mit Dramatikern welche das Erziehungssystem und Jugendliche in dramatischen Situationen beschrieben (Caryl Churchill, Ödön von Horvath und andere), Schriftstellern (Schalom Aleichem, Philippe Claudel) sowie mit Philosophen der klassischen Epoche, unter anderen Sokrates, die versuchten das Wesen der Erziehung zur „Tugend“ zu begreifen.

Die Arbeit zeigt einen geplanten Ablauf auf der jeglicher Kontrolle entgleitet. Jeder der nicht den festgelegten sprachlichen Kriterien entspricht, nicht die vorherrschende Sprache spricht, findet sich als Ausgeschlossener wieder. So verwandelt sich auch das Winseln eines Hundes in Gebell, und das Gebell in einen Biss.

Im Lauf der Vorstellung werden Schritt für Schritt die Charakteristika des Faschismus freigelegt. Es handelt sich hierbei allerdings nicht nur um eine ideologische Auseinandersetzung. Alles endet mit einem Leichnam auf der Bühne.

 

Ofira Henig ist in den letzten Jahren unabhängig künstlerisch in Europa tätig, auch als Konsequenz ihrer Weigerung durch die israelische Regierung finanziert zu werden. Dies ist ein sowohl politischer wie auch künstlerischer Akt, da ihr so die Zusammenarbeit mit palästinensischen Künstlern möglich ist – die gemeinsame künstlerische Arbeit mit ihnen erstreckt sich über mehr als 20 Jahre.  

An diesem Projekt nehmen palästinensische, israelische und deutsche Schauspieler teil und alle drei Sprachen werden auf der Bühne präsent sein.

Der Arbeitsprozess beginnt mit einem Workshop im Laufe des September 2017. Den Probenbeginn erbitten wir mit Mitte Januar 2018, die Premiere Ende März, Anfang April 2018.